Kleine Geschichte der Klostermedizin

In früherer Zeit war das Kloster jener Ort, an dem Menschen, die sich ernsthaft krank fühlten, Hilfe suchen konnten. Der kräuterkundige Mönch oder die Nonne waren Krankenpfleger, Arzt und Apotheker in einem. Ihr Wissen hatten sie einerseits aus alten Büchern, andererseits von ihren Vorgängern, mit denen sie jahrelang zusammengearbeitet hatten. Verteilte Medikamente und ihre Erfolge wurden penibel notiert.

Klostermedizin war vor allem Medizin für die Armen, für all jene, die sich keinen Arzt leisten konnten. Das betraf bis vor hundert Jahren noch einen Großteil vor allem der ländlichen Bevölkerung.

Pflanzen waren die ersten Nahrungsmittel der Menschen und auch die ersten Heilmittel. Das Wissen um die Heilkraft der Pflanzen ist so alt wie die Menschheit und in allen Hochkulturen wurde das Wissen über pflanzliche Arzneien gesammelt. Die griechische Heilkunst hatte ihre Blütezeit ca. 500 vor Christus, ihr berühmtester Vertreter war der Arzt Hippokrates von der Insel Kos.

Die griechischen Ärzte und Gelehrten gelten als Begründer der abendländischen Medizin, einer der bekanntesten von ihnen war Galen, der Leibarzt des römischen Kaisers Marc Aurel.

All diese schriftlichen Zeugnisse jahrhundertelanger Erfahrungen wurden in den klösterlichen Bibliotheken als handgeschriebene Kostbarkeiten aufbewahrt, überliefert und erhalten.

Die Sorge für die Kranken muss vor und über allem stehen: Man soll ihnen so dienen als wären sie wirklich Christus. (Regeln des Benedikt, 36)

Das Leben im Kloster wurde zuerst von Benedikt von Nursia (5.-6.Jh) durch seine praktischen und klaren Regeln geordnet. Neben dem Bereich Bildung (Lesen und Schreiben wurde in den Klöstern erlernt und gepflegt) war auch die Sorge um die Kranken und Notleidenden ein zentrales Thema. Die Brüder und Schwestern hatten großes praktisches Wissen und Kompetenz in der Krankenpflege, aber sie konnten auch nachlesen, was die antiken Autoren über Kräuter und Heilkunst geschrieben hatten. Dazu entstanden eine Fülle von neuen handgeschriebenen Büchern, in denen die Ordensleute ihr Wissen festhielten.

Im Sinne der christlichen Nächstenliebe sorgten sie für Menschen, die ihre Hilfe brauchten. Rund 500 Jahre nach Benedikt beschrieb der Benediktinermönch Odo Magdunensis das Wesen und die Wirkung von 80 Heilpflanzen. Der „Macer floridus“ wurde zum Standardwerk, das in ganz Europa gelesen wurde.

Wie keine andere hat Hildegard von Bingen (geb.1098, gest 1179) ihr Leben in den Dienst der Heilkunst gestellt und zum Wohl der Menschen die Kraft der Kräuter erforscht. Sie war Benediktinernonne, heilkundige Frau, Dichterin, Komponistin, Naturforscherin und Mystikerin. Für Hildegard war diese Welt „beseelt“ und das Wissen, dass alles ineinandergreift, war tief in ihr verankert. Wer im Einklang mit sich und der Umwelt leben kann, in der Harmonie von Seele und Geist, wer seinen Weg findet und den Mut, ihn zu gehen, hat gute Chancen, gesund zu sein. Wenn aber die Harmonie gestört ist, die Dinge im Ungleichgewicht sind, dann wehrt sich die Seele und der Mensch wird krank. Sie wollte nicht nur Symptome kurieren, sondern den Ursachen der Krankheiten auf den Grund gehen. Denn nur so ist ihrer Meinung nach wirkliche Heilung, ein echtes Gesunden möglich.

Für Hildegard waren alle Nahrungsmittel auch Heilmittel. Zusammengefasst und plakativ könnte man sagen:

  • Iss viel Gemüse und Getreide, manchmal Fleisch und
  • sei dir bewusst, was du isst.
  • Iss, wenn du Hunger hast und
  • iss bis du satt bist

„Dinkel ist das beste Getreide“ heißt es bei Hildegard „fettig und leichter verdaulich als alle anderen Körner. Es verschafft dem, der es isst, ein rechtes Fleisch und bereitet ihm ein gesundes Blut. Die Seele des Menschen macht es froh und voll Heiterkeit.“

Hildegard empfiehlt Dinkel besonders bei Verdauungsschwäche und Darmproblemen jeder Art, bei nervösen Leiden, bei hohem Blutdruck und bei Übergewicht