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Reisen in der Literatur

Hier ein paar Tipps zum Downloaden (pdf).

Wo das Glück zu finden ist

Es waren zwei Mönche, die lasen einmal miteinander in einem alten Buch, in welchem die Weisheit und Wahrheit geschrieben stehen: Am Ende der Welt gäbe es einen Ort, an dem der Himmel und die Erde sich berühren, an dem also das große Glück zu finden ist.

Sie beschlossen also, diesen Ort zu suchen und nicht umzukehren, ehe sie ihn gefunden hätten.

So durchwanderten die beiden die Welt, bestanden unzählige Gefahren, erlitten alle Entbehrungen, die eine Wanderung durch die ganze Welt erfordert; und alle Versuchungen, die einen Menschen von seinem Ziel abbringen können, wehrten sie ab.

Eine Tür sei dort, so hatten sie gelesen. Man brauche nur anzuklopfen und befinde sich bei Gott.

Schließlich fanden sie, was sie suchten. Sie klopften an die Tür. Bebenden Herzens sahen sie, wie sich die Tür öffnete. Und als sie eintraten und die Augen erhoben, fand sich jeder in seiner Klosterzelle.

Da begriffen sie: Der Ort, wo das große Glück zu finden ist, ja wo Gott begegnet, befindet sich nicht am Ende der Welt, sondern hier auf dieser Erde, an der Stelle, die uns Gott zugewiesen hat.


Aus dem Buch:
Überlebensgeschichten für jeden Tag

von Axel Kühner

Begegnungen

Seit nunmehr über 30 Jahren unternehme ich den bedeutendsten Teil meiner zahlreichen Reisen zu Fuß. Was ich dabei suche, ist die Begegnung mit dem Anderen, dem neuen, dem Fremden. Die jährliche Massenflucht an die sonnensicheren Badestrände, der durchprogrammierte  All-inclusive-Urlaub im Ferienclub, selbst der Besichtigungstourismus unserer Großstädte hat mit diesem ursprünglichen Sinn des Reisens, der Begegnung, doch ziemlich wenig zu tun Diese Formen des Reisens sind eher Beutezüge: man holt sich etwas vom Gastland: Sonne und Wärme, Abwechslung und Spaß, neue Eindrücke – ohne persönliche Gegengabe, vom dort gelassenen Geld einmal abgesehen. Wirkliche Begegnung aber ist immer ein wechselseitiges Geschehen, ein Geben und Empfangen auf Augenhöhe.

Das erlebt der Fußreisende wie kein Anderer im Wortsinn auf Schritt und Tritt. Der motorisierte Reisende begegnet dem Land bestenfalls an den Endpunkten seiner Fahrten – vom Fliegen gar nicht zu sprechen: das ist überhaupt kein Reisen im eigentlichen Sinn mehr, sondern eher ein Wechsel von Standorten. Nur der Wanderer ist langsam genug, um unterwegs zu grüßen und gegrüßt zu werden.

Und damit fängt jede Begegnung an.

Aus dem Buch:
Boden unter den Füßen
von Markus Schlagnitweit