Angst wird zu Mut

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, hörte ich die wildesten Geschichten über die Geburt. Am Ende der Schwangerschaft hatte ich dann solche Angst, dass ich mein Kind nicht mehr auf die Welt bringen wollte. Ich konnte nicht mehr richtig schlafen und war total in meiner Angst vor der Geburt gefangen. Natürlich redeten mir alle gut zu und hatten viele Tipps, aber in der Zeit konnte ich mir nicht helfen und sprach auch mit niemandem darüber, weil ich das Gefühl hatte, dass mich doch keiner versteht.

Als es dann soweit war, ging alles wie von selbst. Ich ließ ES (die Geburt) geschehen und blieb ganz im Geschehen und es war überhaupt nicht schlimm für mich. Es spielte sich kein einziges von diesen Szenarien ab vor denen ich immer Angst hatte. Da wurde mir bewusst, dass die Angst nur in meinem Kopf stattgefunden hat.

Heute kann ich sogar darüber lachen und wenn ich wieder in eine Angstsituation komme, wird mir sofort BEWUSST: HIER und JETZT und ich versuche die Angst zu AKZEPTIEREN.

Jetzt weiß ich auch, dass Angst nur in meinen Gedanken entsteht und ich mich auf dieses Kopfkino nicht einlassen brauche. Angst ist einfach nur Angst, ich kann mir ANSCHAUEN wodurch sie bei mir ausgelöst wurde und darauf VERTRAUEN, dass alles gut ist so wie es JETZT ist. Es zeigt mir auch auf, dass ich nicht im Augenblick lebe. Die Gegenwart kennt keine Angst. Nur wenn man im Gedanken in der Zukunft oder in der Vergangenheit ist, hat man Angst.

Ein Kletterer, der in einer Felswand hängt und zu 100% konzentriert ist, hat keine Angst. Auch nicht der Motorradfahrer, der mit 200 km/h auf der Rennstrecke dahinbraust.

Lernst du im Augenblick zu sein, hast du auch viel mehr Vertrauen in dein Leben. Du hast keine Angst mehr, vor was auch? Tauchen Schwierigkeiten (z.B. Verlust) auf, nimmt man diese bewusst war. Wir können für die Möglichkeiten, die uns dieser eine Moment gebracht hat, dankbar sein. Jede Veränderung ist immer eine Möglichkeit zu lernen und zu wachsen.

Ängste aus der Vergangenheit oder Kindheit mit zu schleppen bringt einen auch nicht weiter. Es muss uns BEWUSST werden, dass wir nicht mehr das kleine Kind sind, das Angst vor dem Vater, oder Lehrer, oder Chef, etc…. hat. Wir sind jetzt erwachsen und sollten erkennen, dass wir nicht unsere Ängste sind, sondern alles nur übernommenes Muster aus der Vergangenheit.

Und doch ist die Angst ein guter Parameter um hinzuschauen, um was geht es denn wirklich. Können wir die Angst umwandeln und können wir unsere Sichtweise ändern, kann etwas ganz Wunderbares geschehen.

Maria-Luise Spitzenstätter