Bettnässen - Enuresis


Ein weit verbreitetes, jedoch meist tabuisiertes Problem!

Kennen Sie diese Situation?

Am Morgen danach … Nachdem der Zustand des Bettes bekannt ist, fällt die morgendliche Begrüßung in der Regel nicht allzu herzlich aus. Das Einnässen wird zum Frühstücksthema oder zum Grund für eisiges Schweigen. Der Wunsch nach einer zweiten Tasse Kakao wird überhört oder mit „Du willst wohl nächste Nacht davonschwimmen“ kommentiert.Niedergeschlagen und enttäuscht geht das Kind in die Schule. Auf seine Klassenkameraden wirkt dies wie eine Einladung um es zu ärgern. Alles läuft schief, sogar die Ansage, bei der es sonst kaum Schwierigkeiten gab. Mittags steht zu Hause das Familienbarometer immer noch auf Sturm. Die Trinkmenge wird streng kontrolliert. Jede Stunde ist ein Toilettengang angesagt – mit Ergebniskontrolle – und unabhängig davon, ob Freunde zu Besuch sind. Das abendliche Zähneputzen erfolgt ohne Wasser und der Gute-Nacht-Wunsch wird wie folgt umgewandelt: Könntest Du heute einmal nicht ins Bett pinkeln, uns zu Liebe? Reiß Dich zusammen. Wir sind schon ganz verzweifelt und maßlos enttäuscht. Alle Anderen in deinem Alter sind schon sauber.

 

Dabei ist Einnässen die zweithäufigste Gesundheitsstörung im Kindesalter. Jedes 10. Kind im Alter von sieben Jahren ist betroffen, wobei das Verhältnis Jungen zu Mädchen 2:1 beträgt. Noch 1-2 % der Jugendlichen und immer noch 1% der Erwachsenen haben in der Nacht keine Kontrolle über ihre Blase.

Diese hohe Zahl ist wenig bekannt, erklärt sich aber aus der Tabuisierung des Themas, hervorgerufen durch die Enttäuschung und Pein des Kindes, sowie durch die Schuldgefühle der Eltern. Mütter haben das Gefühl versagt zu haben, Väter sind genervt und entziehen sich dem Problem. Das betroffene Kind fühlt sich als Außenseiter, Störenfried und ungeliebt. Es kann an Landschulwochen und Zeltlagern nicht teilnehmen. Übernachtungen bei Freunden kommen sowieso nicht in Betracht. Dadurch entsteht ein hoher Leidensdruck und die Familienharmonie wird massiv gestört.

Deshalb ist es sehr wichtig rechtzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn kein Kind macht absichtlich ins Bett. Den Kindern ist es extrem peinlich keine Kontrolle über ihre Ausscheidung zu haben.

Da der Reifeprozess der Blasenfunktion bei einigen Kindern verlangsamt ist, spricht man erst ab einem Alter von 5-6 Jahren von der Erkrankung des nächtlichen Einnässens, wenn dies öfter als zweimal im Monat über ein halbes Jahr hinweg geschieht.

Lange galt das Primäre Einnässen (das Kind hatte keine Trockenphasen) als psychischer Hilferuf des Kindes. Dem ist aber nicht so, denn bei über 90 % der Fälle liegt keine verhaltensbedingte Störung vor. Die wirklichen Ursachen können vielfältig sein: Genetik, Anatomie, Hormonfehlregulation, verzögerte Reifeentwicklung der Blase, Miktionsdysfunktion, falsches Sauberkeitstraining, …

War ein Elternteil Bettnässer, so besteht eine 43 %ige Wahrscheinlichkeit, dass auch das Kind in der Nacht einnässt. Waren beide Elternteile Bettnässer, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für das Kind auf 77 %.

Mögliche Ursachen von Miktionsdysfunktionen sind zu geringe Wasserzufuhr, unvollständige Entleerung der Blase, chronische Verstopfung, wiederkehrende Harnwegsentzündungen und Dranginkontinenz.

Es gibt heute viele Therapiemöglichkeiten um diese Erkrankung zu behandeln. Es sollte kein Tabuthema mehr sein, denn schon durch eine gezielte Anamnese und Beratung kann vielen Familien geholfen werden.

Wichtig ist, dass ein Arzt aufgesucht wird. Dieser kann anatomische Ursachen diagnostizieren und therapieren. Zudem gibt es einige Physiotherapeuten, die sich auf dieses Gebiet spezialisiert haben.

Für weitere Fragen und Informationen steht Ihnen das Team der Arztpraxis Angerberg gerne zur Verfügung.